Cap vers
le Nord

 

Text & Bilder: Adrien Picitto und Pierre-Louis Spatz

 

 

Die Idee zu diesem Kajaktrip wurde an einem Tag im April 2017 geboren.

Wir – zwei Kindergartenfreunde aus dem Osten Frankreichs – beschlossen ein Abenteuer zu erleben.

Unser Ziel: entlang der norwegischen Küste von Bergen bis zum Nordkap paddeln.

 

 

In der darauf folgenden 18-monatigen Vorbereitungsphase beschäftigten wir uns viel mit der Auswahl der richtigen Ausrüstung. Die Wahl unseres Kajaks fiel auf den Grizzly, weil wir für unser Vorhaben ein Expeditionskajak mit viel Stauraum brauchten, das für extreme Bedingungen geeignet ist. 6 Monate später holten wir in Rosenheim unsere beiden gelben Kajaks ab.

 

 

 

In der Zwischenzeit eigneten wir uns so viel Wissen wie möglich über das Meer und seine Eigenschaften an. Wir leben zwar am Rhein in der Nähe des Wassers, das Meer kennen wir aber auch nur aus dem Urlaub. Um unsere fehlende Erfahrung im Seekajak zu wett zu machen, absolvierten wir als abschließende Vorbereitungsmaßnahme noch einen Kajakkurs mit Guide an der Westküste Frankreichs.

 

 

Am 3. März ging es dann endlich los und wir fuhren bei Schneefall und bitterer Kälte mit dem Auto los Richtung Bergen. Drei Tage und knapp 2000km später erreichten wir einen kleinen Strand in der Nähe von Bergen - ein perfekter Startpunkt mit dem Kajak.

 

 

 

Leider erwartete uns die komplette erste Woche erst mal mit Regen. Auf dem Wasser konnte man so gut wie nichts sehen, was aufgrund der vielen herumnavigierenden Schiffe teilweise sehr gefährlich war.

 

Deshalb kamen zu diesem Zeitpunkt gleich ein paar Fragen auf: werden wir es überhaupt bis zum Nordkap schaffen? Was erwartet uns noch alles auf dem Weg?

Doch davon ließen wir uns nicht abhalten und paddelten schließlich am 8. März endlich in Norwegen los! Während des ersten Tages auf dem Wasser erlebten wir gleich mal einige Wetterkapriolen: Schnee, Wind, Regen und Sonnenschein. Da haben wir nur gehofft, dass sich das Wetter in den kommenden Wochen ändern wird!

 

 

 

Die größte Herausforderung zu Anfang war uns täglich zu organisieren. Denn bei den widrigen Wetterbedingungen und eisigen Temperaturen von -15°C brauchten wir fast 3 Stunden um unser Camp abzubauen und die Kajaks zu beladen (an den kältesten Tagen sogar 4 Stunden).

 

 

Auch unsere bis dato fehlende Erfahrung im Seekajak brachte uns in den stürmischen ersten Tagen mehrmals in Schwierigkeiten. Dadurch haben wir im ersten Monat unserer Reise vor allem eines gelernt: Begegne der Natur und dem Meer immer mit Demut! Doch von Tag zu Tag wurden wir immer selbstbewusster und trauten uns mehr zu!

 

 

Ende März erfuhren wir aus den Sozialen Medien von einer Norwegischen Fähre in Schwierigkeiten aufgrund eines Sturms. Nach kurzem Check unserer Position war schnell klar: wir befanden uns ganz in der Nähe dieser Fähre und würden dort in den nächsten Tagen vorbeikommen! Kurz darauf erreichte dieser Sturm auch uns und uns blieb nichts anderes übrig als die nächsten 8 Tage im Zelt auszuharren. Während dieser Schneesturm über uns wütete fühlten wir uns zum ersten Mal in unserem Leben richtig klein in der großen und mächtigen Natur.

In den folgenden Wochen waren wir die meisten Zeit in unberührter Natur unterwegs. Irgendwann haben wir aufgehört die vielen Tage zu zählen an denen uns Delfine, Wale, Robben und Adler begleitet haben. Unvergesslich bleiben auch die Blicke auf atemberaubend schönen Gletscher oder die vielen, typischen, kleinen norwegischen Häfen.

 

 

 

Unsere ganze Reise war voller schöner Orte, die wir entdeckt, und toller Begegnungen, die wir erlebt haben. Diese Begegnungen waren immer ein besonderes Erlebnis! Denn speziell die Einheimischen, die wir unterwegs getroffen haben, waren wie Eltern für uns! Jeder wollte uns bekochen, bot uns ein Bett in seinem Haus an und war außerordentlich gastfreundlich.

Da wir aufgrund der starken Winde aus Norden nicht jeden Tag paddeln konnten, haben wir auch oft das Land zu Fuß erkundet. Von unseren Camps aus sind wir viel herumgewandert, haben geangelt und natürlich viel fotografiert und gefilmt. Unser ganzes Equipment an Kameras, Objektiven, Stativen, Drohnen und Computern (insgesamt knapp 80kg) transportierten wir immer in den hinteren Stauräumen unserer Kajaks, weil dort wirklich ausreichend Platz ist.

 

 

 

Der Schlüssel zum Erfolg unserer Mission war letztendlich die gute Stimmung. Wir haben ohne Ausnahme an jedem der 200 Tage von morgens bis abends gelacht. Jeden Schneesturm der auf dem Wasser über uns hinweggefegt ist haben wir einfach weggelacht. Denn wenn man die Herausforderungen, die sich einem in den Weg stellen nicht annimmt, wird man einen solchen Trip nie erfolgreich beenden können. Und genauso ist es auch im normalen Leben.

Am 24. August hatten wir es dann geschafft: nach über 6-monatiger Expedition erreichten wir gegen Mittag das Nordkap.

 

Knapp Zwei Jahre Vorbereitungszeit, 80 Tage und über 2500km im Kajak kamen hier zum Ende. Zu Fuß gingen wir die letzten Meter bis zum Globus und fielen uns dort überglücklich und voller Emotionen in die Arme. Alle zu diesem Zeitpunkt am Globus Anwesenden waren fasziniert von unserer erfolgreichen Mission und wir haben ihnen erzählt, dass dies zwar das Ende unserer ersten Expedition ist, aber gleichzeitig der Beginn von vielen weiteren.

 

Denn wir haben etwas Unglaubliches während dieses Abenteuers entdeckt: das Gefühl von absoluter Freiheit!